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FSME

  • steht für Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis,

  • ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems und

  • wird in erster Linie von Zecken auf den Menschen übertragen.

▼ Verbreitung mit Karte

▼ Ablauf der FSME-Erkrankung

▼ Antikörperbildung, schematische Darstellung

▼ Diagnostik, Nachweis von Antikörpern und Antigen

▼ Immunprophylaxe aktive Immunisierung, passive Immunisierung und Therapie


Überblick

Erreger

 FSME-Virus (Flavivirus), RNA, neurotrop

Subtypen

1. östlicher Subtyp (virulenter) / (Sibirien, China)

2. westlicher Subtyp

  • klinischer Verlauf durch Subtyp bestimmt

  • Impfung gewährt Schutz vor beiden Subtypen

  • 2 bis 5% → Vorkommen beider Subtypen

Letalität

 

- 1   bis  2% (verursacht durch westlichen Subtyp),

- 10 bis 30% (verursacht durch östlichen Subtyp)

Überträger (Vektor)

Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock, Zecke)

  • aktiv von Mitte Februar bis Mitte November

  • bei warmer Witterung: Vorkommen auch in anderen Jahreszeiten

Wirt

Nager, andere Säugetiere (Rehe, Rotwild), Vögel

Seltene Übertragung

- durch Genuss nicht pasteurisierter Milch infektiöser Tiere

- von Mensch zu Mensch nur theoretisch

- Laborinfektionen bekannt (virushaltige Aerosole)

Vorkommen

- nur in Naturherden (Endemiegebiete Karte)

- Zentral- und Nordeuropa, Russland, Balkan

- in Höhen über 1'000 m → kein Aufenthaltsort für Zecken

- für Erregervermehrung ist eine Mindesttemperatur von 8°C erforderlich

Durchseuchung der Zeckenpopulation in Endemiegebieten der Schweiz

Bis 5%

Prävalenz  (Schweiz)

1,4% im Endemiegebiet, 0,5% Gesamtbevölkerung

Inkubationszeit

2 bis 14 Tage, in Einzelfällen bis zu 28 Tagen

Erkrankungsrisiko infizierter Personen 

5 bis 10% (2. Phase)

neurologische Restschäden: 10%

Besonderheiten

Zweiphasiger Krankheitsverlauf:

  • 1. Phase: 2 bis 7 Tage (Sommergrippe-Symptome)

  • Zwischenphase: 2 bis 20 Tage (meist beschwerdefrei)

  • 2. Phase: mehrere Tage bis Wochen (typische Zeichen der Meningitis/Enzephalitis)

→ in 1 bis 2% aller Erkrankungsfälle führt die Krankheit zum Tod

→ Erkrankte sind nicht ansteckend

lebenslängliche Immunität nach durchgemachter Krankheit

Immunprophylaktische Möglichkeiten

aktive Immunisierung (mit inaktivierter FSME-Vaccine)

keine passive Immunisierung mit Immunglobulinen in der Schweiz möglich

 


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FSME-Verbreitung in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein

 

Verbreitung FSME November 2006

(Quelle: Bundesamt für Gesundheit, Stand: Januar 2008)

Aargau: Rheinfelden-Möhlin-Wallbach, Bezirk Laufenburg, Koblenz-Döttingen-Zurzach, Birr-Brugg-Würenlingen, Baden-Wettingen, Rothrist-Zofingen-Brittnau, Gontenschwil-Schöftland-Muhen-Gränichen

Bern: Gampelen-Erlach, Grosses Moos, Lyss-Jens-Port, Moutier, Vallon de Saint-Imier, Mühleberg-Gurbrü-Kriechenwil-Laupen, Belp-Münsingen-Steffisburg, Thun-Spiez-Frutigen, Erlenbach-Vorderes Simmental

Fribourg: Salvenach-Ulmiz-Kerzers, Portalban-Autavaux, Franex-Nuvilly-Villeneuve

Graubünden: Fläsch-Luziensteig, Grüsch-Seewis, Region Chur

Luzern: Reiden-Langnau-Dagmersellen-Nebikon-Egolzwil-Kottwil-Sursee-Knutwil

Nidwalden: Stans-Buochs-Bürgenstock, Stanserhorn

Obwalden: Kerns-Stanserhorn

Schaffhausen: Hallau, Osterfingen, Neuhausen-Beringen-Schaffhausen, Stein am Rhein

Solothurn: Bellach-Lommiswil-Langendorf, Oensingen

St. Gallen: Jonschwil-Zuzwil-Niederhelfenschwil, Mörschwil, St. Magrethen-Balgach, Jona-Wagen, Mels-Sargans-Vilters

Thurgau: Diessenhofen-Basadingen, Ermatingen-Kreuzlingen, Warth-Weiningen-Herdern-Nussbaumen, Frauenfeld, Stettfurt-Weingarten-Thundorf, Lommis-Aadorf-Wängi, Affeltrangen-Oppikon-Friltschen, Weinfelden, Zihlschlacht-Kesswil

Uri: Unteres Reusstal

Waadt: Cudrefin-Salavaux-Chabrey, Plaine de l'Orbe und Umgebung

Zug: Steinhausen

Zürich: Ganzer Kanton

Fürstentum Liechtenstein: Balzers-Vaduz-Nendeln


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Schematische Darstellung des Ablaufs einer FSME-Erkrankung

Biphasischer Ablauf:      ▪ Stadium I   = Phase der Virämie mit uncharakteristischer Allgemeinsymptomatik

                                     ▪ Stadium II  = Phase der Organmanifestation mit spezifischen Symptomen (ZNS)

Tage

 

   0 ―

       I

       I

       I

       I

       I

   7

       I

       I

       I

       I

       I

 14

       I

       I

       I

       I

       I

 21

       I

       I

       I

       I

       I

 28

       I

       I

       I

       I

       I

 35

       I

       I

       I

       I

       I

 42 ―

 

 

 

 

 

 

 

Virämie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Infektion

Inkubationszeit: 3 bis 28 Tage

 

 

 

 

 

 

I. Krankheitsphase

   (bei ca. 60% der Infizierten)

 

 

 

 

 

Symptomfreies Intervall

    (Körperliche Schonung)

 

 

 

II. Krankheitsphase

    (10 % der Fälle)

 

 

 

 

 

 

 

 

Krankheitsdauer bei enzephalitischen und meningomyelitischen Krankheitsbildern: →  3-6 Wochen.

Bei Nichteintritt einer Normalisierung:

→  bleibende Dauerschäden (10%)

 

Symptome

 

 

 

 

 

 

 

Uncharakteristische Beschwerden:

▪ Kopf- und Gliederschmerzen

▪ Katarrh der oberen Luftwege

▪ Magen-Darmbeschwerden

▪ Fieber unter 39 °C

 

 

 

 

 

 

 

Phase der Organmanifestation:

▪ Beginn meist mit Fieber über 39 °C

▪ Psychosen

▪ Meningoenzephalitis

▪ Meningomyelitis

▪ Hirnnervenlähmung


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Verlauf der Antikörperbildung nach FSME-Virusinfektion

 

VIS, PCR

◄•••••••••••••••

  serologische Tests

•••••••••••••••►

 

 

Virämie

 

 

 

 

neurologische Symptome

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IgM-Antikörper im Liquor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FSME: Serologischer Verlauf

1 2 3 4 5 6

        7 Wo. n. Infektion

3-14 Tage
Ink.-Zeit
2 - 5 Tage Phase 1 2 - 3 Tage Intervall ca. drei Wochen
Phase 2
 
Infektion   Fieber   IgM   IgG    

Quelle: Doerr H.W. et al. 2002;
Medizinische Virologie. Thieme: 230

         

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Diagnostik

 

▪  Nachweis FSME-IgM-AK:
   →
frühestens ab 12. Tag nach Infektion

       (nur bei einer Inkubationszeit von 3 Tagen)

   → oder zu Beginn der ZNS- Symptomatik

       (Beginn der 2. Krankheitsphase)

 

▪  Nachweis von FSME-IgG:
  
frühestens ab 14. Tag nach Infektion

      (nur bei einer Inkubationszeit von 3 Tagen)

   → oder sicher mit Beginn der 2. Krankheitsphase

 

 gleichzeitiger Nachweis von FSME-spezifischen

   IgM und IgG im Serum erhöht die Spezifität

▪  FSME-IgG lebenslang nachweisbar

▪  bei Verläufen ohne klare Symptomatik des zentralen

   Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis) →

   alleiniger IgM-Nachweis im Blut ist  unzureichend

   spezifisch. Empfehlung: Nachweis des 4fachen

   Titeranstiegs in 2 Serumproben

 

Zu beachten: FSME-Impfungen können zum

  Nachweis von FSME-spezifischen IgM-Antikörpern

  führen

 

Kreuzreaktionen mit Antikörpern gegen Gelbfieber-

  virus, Hepatitis C-Virus und Erreger des Dengue-

  Fiebers möglich

 

 Virusnachweis

   ▪ zu Beginn der 1. Krankheitsphase → Virusnachweis in Blut und Liquor möglich (Zellkultur, PCR, EM)

   ▪ zu Beginn der 2. Krankheitsphase kein Virusnachweis in Blut und Liquor; nur FSME IgM und IgG

     nachweisbar

 Diagnostik:

   1.  Antikörper-Nachweis (FSME-IgM und IgG); ELISA-Test

   2.  DNA-Nachweis (PCR) → Virusnachweis

   3.  Zellkultur → Virusnachweis

   4.  Elektronenmikroskopie → Virus-Nachweis; veraltete Methode


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Immunprophylaktische und therapeutische Möglichkeiten

  • Gegen FSME kann geimpft werden (Ziel: Individualprophylaxe)

Aktive Immunisierung (mit inaktivierter FSME-Vaccine)
  • Die Impfung gewährt Schutz vor beiden Subtypen:
    1. Östlicher Subtyp, virulenter (Sibirien, China)
    2. Westlicher Subtyp

■ Impf-Indikation:

   gemäss den Empfehlungen des BAG (Schweizerische Kommission für Impffragen 2003, sowie: BAG-Bulletin 13/06; 225-29)

  • FSME-Impfung eignet sich für alle Personen, die sich während einer beruflichen Tätigkeit oder der Freizeit kurz- oder längerfristig in den Endemiegebieten aufhalten oder dort wohnen

  • Jägern, Förstern und Waldarbeitern ist die FSME- Schutzimpfung dringend anzuraten.

  • Bei Kindern unter 6 Jahren ist eine FSME-Impfung nicht indiziert (Grund: geringes Risiko einer symptomatischen oder schweren Erkrankung)

→ Wichtig: FSME-Impfung schützt nicht vor Lyme-Borreliose (welche ebenfalls durch Zecken übertragen wird)

■ Kosten: Ab August 2006 werden die Kosten für die Impfung gegen FSME von der Krankenkasse übernommen.

 

In der Schweiz verfügbare FSME-Impfstoffe:

  • FSME-Immun® CC (BAXTER)

  • FSME Immun® 0,25ml Junior (BAXTER)
    → 1. bis 15. Lebensjahr

  • Encepur® N (BERNA BIOTECH/Chiron)
    → über 12 Jahre

  • Encepur® N Kinder (1.-11. Lebensjahr)

Hinweis:

 

In Österreich und Deutschland sind andere Empfehlungen und Richtlinien zu berücksichtigen.

Grundimmunisierung

  • Die Grundimpfung umfasst drei Teilimpfungen:

  1. Teilimpfung

  2. Teilimpfung: 1-  3 Monate nach 1. Teilimpfung

  3. Teilimpfung: 9-12 Monate nach 2. Teilimpfung
    (Encepur® N)
    respektive 5-12 Monate (FSME-Immun
    ® CC)

  • bevorzugter Impftermin für 1. und 2. Teilimpfung:
    kalte Jahreszeit

  • unerwünschte Impfnebenwirkungen:
    15- 25% (bis 60%)

■ klinische Wirksamkeit: (Beispiel: Encepur® N)

(Quelle: Fachinformation des Arzneimittel- Kompendiums der Schweiz®)

Serokonversionsraten (ELISA-Test, % der Geimpften):

  • 4 Wochen nach 1. Impfung (Tag   28) ca. 50 %

  • 2 Wochen nach 2. Impfung (Tag   42) ca. 98 %

  • 2 Wochen nach 3. Impfung (Tag 314) ca. 99 %

■ Impfkontrolle?

  • Bei Personen ab 60 und Personen mit geschwächter Immunabwehr → Kontrolle des Antikörpertiters 4 bis 6 Wochen nach 2. Teilimpfung sinnvoll (wenn erforderlich → Wiederholung der 2. Teilimpfung, 3. Teilimpfung gemäss Impfplan)
     

  • Routinemässige Impfkontrolle durch Titerbestimmung (FSME-IgG) → vom BAG nicht empfohlen
    Gründe:

    • bei über 99% der Geimpften ist wirksamer Schutz nach der 3. Teilimpfung vorhanden

    • Kostenfrage

Hinweise:

Kein international anerkannter Standard zur Korrelation von AK-Titern und Impfschutz vorhanden.

Die Klinische Bedeutung der Abnahme der AK-Titer wurde nicht belegt.

Keine Studien vorhanden, welche nachweisen, dass Auffrischimpfungen alle drei Jahre notwendig sind.

  • Falls dennoch Bestimmung des Antikörpertiters zur Impfkontrolle erwünscht (FSME-IgG) → nicht während febriler oder infektiöser Zustände.

■ Auffrischungsimpfung (Boosterung):
  • BAG-Empfehlung (Stand: 27.03.2006)

    • NEU: Alle 10 Jahre nach Grundimmunisierung  routinemässige Durchführung von FSME-Auffrischimpfungen ohne vorherige Überprüfung der Immunitätslage durch Messung des FSME-AK-Titers (FSME-IgG)
       

  • Neue Empfehlungen werden gemäss BAG-Information aktuellen Studienresultaten angepasst und Ende 2005 bzw. Anfang 2006 veröffentlicht

Schnellimmunisierung: (verkürztes Impfschema)
Unterschiedliches Impfschema in Abhängigkeit vom Impfstoff

  • FSME-Immun® CC:

    • 1. Teilimpfung:

    • 2. Teilimpfung: am 14.Tag

    • 3. Teilimpfung: 5-12 Monate nach der 2.Teilimpfung
       

  • Encepur® N:

    • 1. Teilimpfung

    • 2. Teilimpfung: am 7. Tag

    • 3. Teilimpfung: am 21. Tag Auffrischimpfung bereits nach 12-18 Monaten empfohlen

Auffrischimpfungen alle 10 Jahre

Passive Immunisierung (mit inaktiviertem FSME-Immunglobulin)
  • Präexpositionelle Prophylaxe sowie

  • Postexpositionelle Prophylaxe sind in der Schweiz nicht möglich

Therapie
  • Erfolgt ausschliesslich symptomatisch

  • Eine spezifische antivirale Therapie ist nicht verfügbar

  • Keine Behandlung der Ursache (Antibiotika sind unwirksam!)


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MP/16.08.2005, aktualisiert am 23.1.2007