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H1N1: Steckbrief

Influenza A, B, C

H1N1: Patienteninformation (PDF, 21 kB*)

H1N1: Hygieneregeln in Alten- und Pflegeheimen (PDF, 44 kB*)

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Erreger - Pandemie - Inkubationszeit - Übertragung - Infektiosität

Klinik - Komplikationen - Diagnostik - Hinweise - Untersuchungsmaterial

Therapie - Wirkungsweise - Medikamente

Impfung - Meldepflicht - Kontakt

Empfehlungen an erkrankte Personen

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Neues Influenza-Virus A(H1N1) Subtyp

 

Erreger:

 

  • Familie: Orthomyxoviren, Genus: Influenza A

  • umhülltes RNA-Virus

  • besitzen 2 wichtige Oberflächenproteine: Hämagglutinin und Neuraminidase, beide vom Typ 1

  • neue Variante des Influenza-Virus A(H1N1), "Schweinegrippevirus"

  • enthält Gene der Schweine- und Vogelgrippe sowie der menschlichen Grippeviren in einer weltweit noch nie beobachteten Kombination

  • entstanden durch Antigenshift (Seite ► Influenza A, B, C)

  • als Pandemievirus* eingestuft

 

▪ Pandemie*:

 

  • zeitlich begrenzte, weltweite, massive Häufungen von Erkrankungen an einer Infektion

  • Voraussetzung für die Entstehung einer Pandemie:

    • neuer oder unbekannter Influenzavirus-Subtyp tritt auf

    • Antigenshift hat stattgefunden

    • neues Virus ist pathogen und virulent

    • ist von Mensch zu Mensch übertragbar

    • trifft auf eine Bevölkerung, die über keine oder unzureichende Immunität gegenüber dem Virus mit derartig veränderten Oberflächenantigenen verfügt

  • Auftreten in mehreren Wellen (Dauer: ca. 8-12 Wochen)

  • geschätzte Erkrankungsrate: 25 % der Schweizer Bevölkerung (ca. 1'850'000 Erkrankte bei 7.4 Mio CH-Einwohnern)

  • Mortalität (Sterblichkeit = Anzahl Verstorbene pro 100'000 Einwohner): 100 von 100'000 Einwohnern der Schweiz = ca. 7'400 Tote (bei 7.4 Mio CH-Einwohnern)

*Quelle: Pandemieplan Schweiz 2006 – Vorläufige Version vom 31.03.2006, Teil I. Allgemeine Einführung; S. 10

 

▪ Inkubationszeit:

 

  • 2-5 Tage

 

▪ Übertragung:

 

  • Schwein zu Mensch, Mensch zu Mensch

  • Tröpfchen-Infektion (Ausatmen, Sprechen, Niesen, Husten; bis zu ca. 1,5 m)

  • direkter Kontakt (Schmierinfektion durch Händeschütteln)

  • Aerosole (z.B.: Klimaanlage)

 

Infektiösität: (Virusausscheidung)

 

  • Ansteckungsfähigkeit bereits vor Auftreten der klinischen Symptomatik (< 24 Stunden)

  • ca. 7 Tage

  • Personen mit schwächerem Immunsystem scheiden Viren länger aus

  • bei Kindern: 10 bis 21 Tage

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Klinik:

 

  • plötzlicher Krankheitsbeginn mit Fieber (> 38.5°C) und Symptomen einer akuten Atemwegsinfektion

  • trockener Reizhusten

  • Muskel- und / oder Kopfschmerzen

  • Halsschmerzen, Schnupfen

  • allgemeine Schwäche

  • Erbrechen/Durchfall

 

▪ Häufigste Komplikationen:

 

  • bisher milder Krankheitsverlauf in Europa

  • wahrscheinlich Pneumonie durch bakterielle Superinfektion; Otitis media (bei Kindern)

 

▪ Diagnosemöglichkeiten:

 

  • klinische Symptome

  • Reiseanamnese

  • Familien- und Kontaktanamnese (bekannte Kontakte zu Erkrankten im Umfeld)

  • Influenza A-Test

  • Viruskultur

  • TaqMan real time PCR (Typisierung)

DIAGNOSTIK:
Gemäss den Anweisungen des BAG erfolgt die Diagnostik zur Zeit
ausschliesslich im:

    Nationalen Zentrum für Influenza
    Influenza-Diagnostik-Labor

   
Laboratoire de Virologie
    Hopitaux Universitaires de Genève
    4, Rue Gabrielle-Perret-Gentil
   1211 Genève 14

Hinweise:

  • Personen mit Verdachtssymptomen für eine Infektion mit dem neuen Subtyp von Influenza A(H1N1) melden sich telefonisch bei ihrem Hausarzt

  • Arzt entscheidet telefonisch über Notwendigkeit einer Konsultation

  • Bei Verdacht auf Grippeerkrankung durch A(H1N1) sollen Probeentnahmen für die Durchführung eines A(H1N1)-spezifischen Labortests auf erkrankte Personen beschränkt werden:

a) mit einem Risiko für Komplikationen oder

b) mit schweren Grippesymptomen oder mit Symptomen, die rasch stärker werden

c) mit beruflichen Kontakten zu Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko (Krippen, Spitäler, Pflegeeinrichtungen)

  • bei räumlichen und zeitlichen Häufungen (> 3 Fälle mit Grippesymptomen) erfolgt stichprobenartig bei symptomatischen Patienten die Durchführung von Labortests (betroffen: Schulen, Kindergärten, Heime, Altersheime, Kasernen) in Absprache mit dem Kantonsarzt

  • die Entnahme von respiratorische Proben werden von einer Fachperson/Institution entnommen, die durch den Kantonsarzt bestimmt wird

(Quelle: Angepasste Strategie  A(H1N1) Subtyp; Bulletin 29, 13.07.09; S. 533) 

 

▪ Untersuchungsmaterial:

 

  • 2 Abstriche: 1. tiefer Nasenabstrich (7 cm tief) und
                          2. Rachenabstrich im PCR-Transportmedium (z.B. e-swab®©)

Hinweis:

  • Für die Probeentnahme und dem Versand zum Nachweis des neuen Subtyps von Influenza
    A(H1N1) bei Verdachtsfällen gilt gleichnamiges BAG-Dokument, Stand 07.05.2009  (www.bag.admin.ch/influenza)

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▪ Indikation für eine Therapie:

 

Indikation für Tamiflu:

  • falls erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht

    • bei Vorliegen von schweren Symptomen und Komplikationen

    • wenn Symptome sich schnell verstärken

  • weitere Indikationen nur auf Anraten des Arztes

Quelle: Angepasste Strategie  A(H1N1) Subtyp, Bulletin 29, 13.07.09; S. 533)  

 

▪ Therapie:

 

  • Antivirale Medikamente (rezeptpflichtig):

    • Neuraminidase-Inhibitoren: Zanamivir (Relenza®), Oseltamivir (Tamiflu®)

      • beide Medikamente für Therapie und Postexpositionsprophylaxe indiziert

      • Therapiebeginn auch nach mehr als 48 Stunden nach Symptombeginn möglich (idealerweise innerhalb von 36 Stunden)

      • Einnahme unter ärztlicher Kontrolle, weil Unterdosierung die Entstehung von resistenten Viren begünstigen kann

      • Eigendiagnose einer Influenza ist unzuverlässig

    • Amantadine (Symmetrel®) nicht einsetzen, sind resistent

  • symptomatische Therapie

  • Antibiotika bei Sekundärinfektionen (Pneumonie)

Quelle: RKI, Stand 29.04.2009
Empfehlungen des RKI zum Vorgehen bei Verdachtsfall auf Neue Grippe (Influenza A/H1N1)

 

▪ Wirkungsweise der Neuraminidase-Inhibitoren (Zanamivir (Relenza®), Oseltamivir (Tamiflu®):

 

  • wirken vergleichbar gegen Influenza-A und Influenza B-Viren

  • blockieren das virale Enzym Neuraminidase

  • verhindern damit, dass Virusrezeptoren an der Oberfläche der Wirtszelle abgebaut werden

  • Folgen:

    • neu gebildete Viren aus der Wirtszelle bleiben an den Rezeptoren haften

    • ihre weitere Ausbreitung ist verhindert

  • Anzahl der Viren, die freigesetzt und andere Zellen infizieren können, wird reduziert

  • verringern die Dauer und die Intensität einer Influenza-Erkrankung

  • vermindern die Virusausscheidung

  • Abnahme der Komplikationsrate

 

▪ Stärken und Schwächen der antiviralen Medikamente:
  
Zanamivir (Relenza®) + Oseltamivir (Tamiflu®):

 

 

 

 

Oseltamivir (Tamiflu®)

 

Zanamivir (Relenza®)

 

 Stärken

 

▪ Therapie und Prophylaxe möglich, aber erste Resistenzen bekannt (Presse vom 02.07.09)
▪ orale Applikation
▪ geringe Nebenwirkungen, sichere Anwen
dung
▪ Therapie und Prophylaxe bei Kindern ab 1 Jahr

 

▪ Therapie und Prophylaxe möglich
▪ bisher keine Resistenzen
▪ geringe Nebenwirkungen, sichere
Anwendung
▪ keine Dosisanpassung notwendig bei
Nieren- oder Leberinsuffizienz und bei älteren Patienten

 


Schwächen

 

▪ erst relativ kurze Zeit auf dem Markt
▪ hoher Preis
zunehmendes Potenzial zur Resistenzbildung

 

▪ nur als Inhalation applizierbar
▪ nicht geeignet bei schwerem  Asthma
oder chronischen Atemwegserkrankungen
▪ zur Therapie und Prophylaxe erst ab
Alter von 5 Jahren zugelassen
▪ erst relativ kurze Zeit auf dem Markt
▪ hoher Preis

 

Quelle: Influenza-Pandemieplan Schweiz, Version Januar 2009; S.174

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Impfung:

 

  • zur Zeit steht kein Impfstoff zur Verfügung (erst ab Impfsaison 2009/2010 verfügbar)

  • Beginn mit Impfstoffproduktion: 3 Monate nach Pandemiebeginn

  • Impfstoff-Bereitstellung nach weiteren 3 Monaten

  • zu unterscheiden ist der Impfstoff der saisonalen Influenza und der Impfstoff der epidemischen Influenza

  • über die Verträglichkeit beider Impfstoffe bei gleichzeitiger Applikation bestehen noch keine einheitlichen Expertenmeinungen

 

▪ Prävention:

 

  • bis Impfung vorhanden übliche Präventionsmassnahmen, wie Hygiene, Atemschutz, Isolierung

  • siehe Seite ► Patienteninformation

 

▪ Meldepflicht (Schweiz):

 

  • wird durch das BAG der aktuellen Situation der Influenza-Pandemie angepasst

    • Labor-Meldung:

      • positives bzw. negatives Resultat (spezif. RT-PCR) telefonisch innerhalb 2 Std. an Kantonsarzt und an das Bundesamt für Gesundheit

      • alle Meldungen erfolgen personenidentifizierend (mit vollem Namen und Wohnadresse des Patienten)

    • Arzt-Meldung:

      • alle diagnostizierenden Ärzte melden Beobachtungen der neuen Influenza als Erst- und Ergänzungsmeldung innerhalb eines Tages

Quelle: Revision der Verordnung des EDI über Arzt- und Labormeldungen (SR 818.141.11) / 11.06.2009

 

▪ Kontakte:

 

  • Nationales Zentrum für Influenza, Influenza-Diagnostik-Labor

Laboratoire de Virologie
Hopitaux Universitaires de Genève
4, Rue Gabrielle-Perret-Gentil
1211 Genève 14

  • Auftragsformular für Analysen: Virusnachweis von tierischer Herkunft bei Menschen,

  • Tansportmaterialien (Abstrichtupfer, PCR-Virus-Transportmedium) sowie

  • Dokumentation über die Vorbereitung vom Versand der Proben (Kategorie B ; UN 3373 gemäss P650). Normen können dort angefordert werden

  • nationale Hotline des BAG: 031 322 21 00 für allgemeine Fragen der Bevölkerung zur Grippe A(H1N1)

  • www.pandemia.ch Informationen des BAG für die Bevölkerung

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Empfehlungen an Erkrankte bei Grippesymptomen:

  • Zuhause bleiben bis mind. 1 Tag nach Abklingen der Symptome. Dies bedeutet:

    • vom Arbeitsplatz fern bleiben

    • nicht einkaufen gehen

    • keine öffentliche Verkehrsmittel benutzen

    • kein Besuch von Veranstaltungen, Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen, Kasernen

    • keinen Kontakt zu Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko

    • keine Besuche in Spitälern oder Bewohnern von Heimen

    • nach Möglichkeit enge Kontakte im Haushalt vermeiden

  • sich telefonisch bei einem Arzt melden, wenn:

    • Symptome innert 7 Tage nach Rückkehr aus dem Gebiet mit erhöhtem Expositionsrisiko für A(H1N1) auftraten

    • die erkrankte Person engen Kontakt mit einem bestätigten Influenza A(H1N1)-Fall hatte

    • schwere Symptome auftreten

    • ein erhöhtes Komplikationsrisiko besteht

  • Hygienemassnahmen beachten

  • Gesundheitszustand überwachen

  • ärztliche Empfehlungen befolgen

  • falls erkrankte Person die Wohnung vorübergehend verlassen muss (z.B. Arztkonsultation), ist während dieser Zeit eine Hygienemaske (chirurgische Maske) zu tragen

  • Personen, mit denen man ab Auftreten der Symptome sowie am Tag vor Symptombeginn engen Kontakt hatte sollen informiert werden diese sollen ihren Gesundheitszustand aufmerksam beobachten und auf persönliche Hygiene achten

  • Einnahme von Tamiflu nur nach ärztl. Anordnung

(Quelle: Angepasste Strategie  A(H1N1) Subtyp, Bulletin 29, 13.07.09; S. 533)


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MP/Stand 26. Juni 2009